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Sonntag, 4. Juni 2017

Turons Senf zum Discovery-Trailer


Einleitung. Ein guter Trailer erweckt bei uns Zuschauern eine unbändige Lust auf eine neue Serie. Er schürt die Vorfreude, spielt mit den Erwartungen der Fans und steigert die Spannung ins Unermessliche.
Insofern sind die beiden Star-Trek-Discovery-Trailer, die vor mittlerweile zwei Wochen in den Weiten des Internets für Aufmerksamkeit sorgten, für mich persönlich gescheitert.
Nicht, dass ich sie total doof fand oder – wie viele andere Star-Trek-Urgesteine in den Kommentarzeilen diverser Internetportale – völlig enttäuscht wurde, aber es gelang keinem der beiden Zusammenschnitte in mir eine der eingangs genannten Reaktionen hervorzurufen. Nun habe ich lange überlegt, woran das eigentlich gelegen haben könnte, habe die Spreu vom Weizen getrennt und möchte an dieser Stelle einmal die Gelegenheit nutzen zu erklären, was mir an diesem ersten Einblick in die kommende, siebente Star-Trek-Serie gut und weniger gut gefallen hat.




Lobenswerte Aspekte
.

Beförderungen. Für mich waren stets jene Star-Trek-Folgen am eindrucksvollsten, die aus dem üblichen Darstellungsrahmen herausbrachen und die Franchise um einen neuen Blickwinkel bereicherten. Zu diesen Meilensteinen zählten etwa Episoden wie "Im fahlen Mondlicht", "Es geschah in einem Augenblick" oder  auch "Carbon Creek", in denen der Zuschauer das Geschehen durch die Augen anderer zu betrachten lernt. Den Ehrenplatz unter diesen Folgen nimmt allerdings die TNG-Folge "Beförderungen" ein, in deren Verlauf eine Gruppe Junior-Offiziere kurz vor dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter begleitet wird.


Reizvoll ist diese Episode vor allem deshalb, weil sie den Fokus von der traditionellen (und etwas eingerosteten) schiffs-zentrierten Erzählstruktur weglenkt, die Star Trek seit Anbeginn seiner Entstehung dominiert. Dabei ist es – wie die Karrieren der meisten Charaktere zeigt – Usus in der Sternenflotte, sich von Schiff zu Schiff hochzuarbeiten oder auch, wie etwa Tom Paris oder Ro Laren, einschneidende Laufbahnrückschritte hinnehmen zu müssen. Man wird von Posten zu Posten auf unterschiedlichen Stationen oder Schiffen durchgereicht, bevor man schließlich auf jenem Stuhl in der Mitte der Brücke landet, den so ziemlich jeder Sternenflottenoffizier tief in seinem Herzen begehrt.
Nun scheint mit Discovery und seiner Zentrierung auf den Hauptcharakter Michael Burnham genau der Fall einzutreten, dass sich eine ganze Serie diesem Lebenslauf-Prinzip widmen wird. In meinen Augen ist das ein ebenso erfrischender wie nachvollziehbarer Perspektivwechsel:
Schließlich kann man zum Beispiel im Fußball eine Dekade Bundesliga problemlos aus der Sicht eines Vereins, aber ebenso spannend auch im Hinblick auf den Werdegang eines einzelnen Spielers erzählt werden. Das Konzept birgt jedoch vor allem in Bezug auf Star Trek und der hierarchischen Struktur der Sternenflotte eine Menge Potential und verspricht für die kommende Serie eine wirklich noch nie dagewesene Prämisse. So kann Discovery aus dem Schatten seiner Vorgänger treten, völlig andere Geschichten erzählen und doch der großen Tradition treu bleiben. Vor allem aber bietet sie eine Glaubwürdigkeit, die den Fans seit Rikers so verzweifelten Klammern an der Position des ersten Offiziers der USS Enterprise nicht mehr vergönnt war.


Diversität. Die bisherige Darstellerriege greift gleich zu Beginn ein zentrales Thema Star Treks auf: seine Multikulturalität. Es gibt einen farbigen Hauptcharakter (Michael Burnham), einen asiatischen Captain (Philippa Georgiu) und einen neuen (frischen) Charakter einer unbekannten Spezies (Saru).


Damit greift sie nicht nur den Trend zu einer besonders diversen Crew (insbesondere die Multiethnizität bei TOS und TNG) auf, sondern geht vielleicht noch einen Schritt weiter:
Der Hauptcharakter Michael Burnham ist nicht nur scheinbar von Vulkaniern aufgezogen worden, sondern auch – entgegen seinem Namen – weiblich. Das wiederum führte zu heißen Diskussionen im Internet, ob es sich um den ersten transsexuellen Charakter handeln könnte, den die Star-Trek-Geschichte hervorbringen würde. Auch damit würden die Schöpfer eine gute alte Star-Trek-Tradition pflegen, die seit Folgen wie "Platons Stiefkinder", "Wiedervereinigt" oder selbst "Star Trek Beyond"  aktiv Position für fundamentale Menschenrechte bezogen.


In der Ruhe liegt die Kraft. Es ist auffällig, wie gut beide Trailer ohne Kampfszenen, Explosionen oder Feuergefechte auskommen. Stattdessen herrscht ein vergleichsweise dialog-lastiger Tenor vor, der dem eigentlichen Inhalt irgendwie zu wiedersprechen scheint. Denn obwohl klar ist, dass es sich bei beiden Vorschau-Spots wohl eher um Zusammenschnitte aus dem Pilotfilm handelt, dessen Handlung sehr wohl kriegerische Auseinandersetzungen beinhaltet, scheint es, als würden die verantwortlichen Produzenten durch den offensichtlichen Verzicht ein klares Zeichen setzen wollen: 'Seht her, wir sind mehr als anspruchsloses Popcorn-Kino.' Ob sich diese Kernaussage bewahrheiten wird, bleibt wohl abzuwarten; als Statement ist es dieser Tage jedoch – gerade im Hinblick auf die nun folgenden 'Kritikwürdigen Aspekte' eine willkommene Demonstration des guten Willens.


Kritikwürdige Aspekte.

Ein Stückchen Abramsverse in der Originalzeitlinie. Seit dem Star-Trek-Reboot im Jahre 2009 gibt es einen Effekt, der wie wohl kein Zweiter den Hass der Fangemeinschaft auf sich zieht: Lensflares.
Das fragwürdige stilistische Mittel war so überzogen eingesetzt, dass es sich zum Gegenstand des Gespötts entwickelte und selbst Abrams sich für dessen Verwendung entschuldigte.
Man könnte nun glauben, dass die Verantwortlichen aus diesem Fiasko gelernt hätten, doch das Gegenteil ist der Fall. Beide Trailer strotzen nur so vor überflüssigen Blend-Effekten.
Doch damit nicht genug.
Design-technisch steht die Serie deutlich in der Tradition des Abrams-Ablegers: die Uniformen, die Beleuchtung, das Aussehen der Schiffe oder die Konzeption der Bord-Instrumente sind so deutlich an die Reboot-Filme angelehnt, dass man als Fan schon berechtigte Sorgen haben muss, dass diese Ähnlichkeiten – so sehr sie eventuell an den veränderten Sehgewohnheiten unserer Tage orientiert sind – auch eine inhaltliche Fortsetzung finden. Es besteht die Gefahr, dass sich die kommende Serie ebenso an der Aussage-armen Kino-Film-Mentalität orientiert, womit sie Gefahr läuft, die Star-Trek-hungrigen Zuschauerschaften, die die Entstehung dieser Serie überhaupt möglich gemacht haben, gänzlich zu verprellen. Denn es ist zwar für Discovery überlebenswichtig, neues Fernseh-Publikum zu erschließen, aber nicht minder zentral, die Majorität der bestehenden Fan-Basis zu besänftigen. Dieses Mal – auf dem für die Franchise so vertrauten Fernsehbildschirm - kann der Anspruch nämlich nicht 'Not Your Father’s Star Trek' lauten.


Wieder ein Prequel. Die in meinen Augen allerdings fragwürdigste Entscheidung bleibt immer noch die Idee, Discovery zehn Jahre vor der Original-Serie spielen zu lassen. Nachdem bereits "Star Trek: Enterprise" so fulminant gegen die Wand gefahren wurde und J.J. Abrams das Feld mit seinen Reboot-Filmen plattgewalzt hat, wage ich zu bezweifeln, dass der Rückbezug unmittelbar vor eine mehr als fünfzig Jahre alte Serie, die den Produzenten zu 'cheesy' erschien, um sich an deren Design zu orientieren in der Lage ist, neue Zuschauergruppen zu erschließen.
Mal im Ernst: Niemand hätte etwas dagegen gehabt, wenn die neue Serie zwei, zwanzig oder zweihundert Jahre nach Nemesis gespielt hätte. Stattdessen begab sich die illustre Runde der Produzenten auf das glatte Eis eines Prequels.
Was dabei offensichtlich übersehen wurde: Es gab bereits einen Einblick in die Sternenflotte zehn Jahre vor TOS: Er hieß "Der Käfig", war als ursprünglicher Pilotfilm für TOS gedacht und diente als Haupterzählstrang des Zweiteilers "Talos IV – tabu". Vergleicht man nun die Trailer mit dieser Folge wird schnell klar, wie wenig Discovery in die Original-Zeitlinie passt.


Nun kann man natürlich nicht ganz zu Unrecht einwerfen, dass Widersprüche ein fester Bestandteil der Star-Trek-Kultur sind:
Zum Beispiel Khan, der sich im zweiten Kinofilm an Chekov erinnern kann.
Oder die Tatsache, dass sich die Romulaner bereits in "Das Minenfeld" tarnen können, aber in "Spock unter Verdacht" alle mit dem selben Trick überraschen können.
Oder die Trill, wie sie in"Odan der Sonderbotschafter" und "Der Abgesandte" in Erscheinung treten.
In die gleiche Kategorie plötzlicher Erscheinungsveränderung dürften wohl auch die etwas befremdlichen Klingonen in den Vorschau-Filmchen fallen, die laut Star-Trek-Historie (vgl. "Die Heimsuchung", "Die Abweichung", "Kampf um Organia", "Star Trek – Der Film" oder "Immer die Last mit den Tribbles") keine Stirnwülste haben sollten.


Das mag jetzt für ‚Softcore‘-Fans kein großes Problem zu sein, aber bei Lichte besehen macht Star Trek vor allem seine zeitliche Geschlossenheit aus. Diese innere Chronologie, auf die sich selbst spätere Folgen wie "Besuch von der alten Enterprise", "Immer die Last mit den Tribbles" oder auch "Im dunklen Spiegel" beriefen, ist der Kern der Faszination für viele Fans (wie z.B. mich selbst), die ihn ungern mit Füßen getreten sehen.
Man stelle sich nur einmal vor, dass die mittelalterlichen Langboote in der Hit-Serie "Vikings" bei ihren Beutezügen gen England plötzlich frühneuzeitlichen Galeonen mit Kanonen begegnen würden. Ein Faux-Pas, der der Serie definitiv Zuschauer kosten würde.
Ähnlich verhält es sich mit Star Trek: Stirnwulstlose Klingonen, bunte Knöpfe und nicht minder bunte Uniformen sind schlichtweg ein Teil einer größeren Geschichte.
Die Annahme, dass es sich bei aller Fiktionalität um eine Fortsetzung der Zeitlinie handelt, ist ein zentraler Aspekt seiner Existenz in allen sieben Serien.
Von daher ist es vielleicht gar keine so schlechte Idee, wie bei Marvel einen Supervisor zu installieren, der auf die Einhaltung der bestehenden Zusammenhänge achtet.
Schließlich muss sich eine Serie wie Discovery, über der von Anfang an das Damokles-Schwert der Original-Serie schwebt, eine Kontrollinstanz schaffen, der sich zumindest bemüht, die Anzahl der Widersprüche zum Kanon so gering wie möglich zu halten. Ansonsten läuft sie durch die Wahl eines Prequels Gefahr, die gleiche – wenn nicht noch größere – Ablehnung wie das Abramsverse zu erfahren.


Fazit. Ich möchte wirklich nicht in den Schuhen der Verantwortlichen dieser Serie stecken. Die Macher müssen es schaffen, ein Produkt abzuliefern, dass dem launigen Sender CBS gefällt, dass neue Zuschauerschichten akquirieren kann, die alten Fanschichten bei der Stange hält, die Zeitlinie beachtet, die Fehler der Vorgänger vermeidet, etwas Neues bietet, die alten Traditionen befolgt und vor allem von Anfang an ein Quotenerfolg wird.
Böse Zungen könnten behaupten, dass dieser Spagat unmöglich sei und definitiv wird nicht jeder Discovery mögen. Doch anstatt das Glas als 'halb leer' zu bezeichnen, versuche ich mich vor allem auf die positiven Signale zu stützen, ohne die negativen Seiten auszuklammern. Sie halten sich nämlich die Waage und es ist noch viel zu früh, um ein Urteil über eine noch nicht ausgestrahlte Serie anhand ein paar Schnipsel aus dem Pilotfilm zu beurteilen.
Und machen wir uns nichts vor: Wir alle werden uns Discovery ansehen, egal welchen Eindruck der ein oder andere Trailer hinterlässt. Es ist die erste Star-Trek-Serie seit mehr als zehn Jahren und wenn mich die Franchise eines gelehrt hat, dann ist es neuen Welten gegenüber offen, neugierig und unvoreingenommen gegenüberzustehen.


Sonntag, 24. Juli 2016

Die Tafelrunde beantwortet die fünf brennendsten Fragen zur neuen Star Trek Serie


Einleitung.
Auf der momentan laufenden Comic Con in San Diego kam es selbst für Star-Trek-Fans, die sich nicht unter die anwesenden Besuchermassen mischen konnten, aufsehenerregende Neuigkeiten. In einer Pressekonferenz nach dem überfüllten Panel zur kommenden Serie stellte sich Bryan Fuller zusammen mit seiner Kollegin Heather Kadin den neugierigen Fragen der Presse und gab erste (vorsichtige) Einblicke in die neue Serie. Zudem veröffentlichte er über den Kurznachrichtendienst Twitter einen ersten Teaser zum Haupthandlungsträger der Serie:
Einem Schiff namens USS Discovery.



Wie wird die nächste Serie heißen?
Die  neue Serie wird nach dem Schiff den Titel "Star Trek Discovery" tragen. Damit ist den Produzenten ein ebenso programmatischer wie traditionsreicher Star-Trek-Titel gelungen. Zum einen bietet der Begriff (der Titel ließe sich auf deutsch in etwa mit "Entdeckung", "Enthüllung" oder "Fund" übersetzen) einen Einblick auf die Ziele, die Fuller sich (im Interview nach dem Panel) selbst für die siebente Star-Trek-Serie gesetzt hat:

"I feel like what the new series has to do is continue to be progressive, continue to push boundaries."

Meine bescheidene Übersetzung dazu:

"Ich habe das Gefühl, dass die neue Serie weiterhin den Fortschritt transportieren und weiterhin alle Möglichkeiten überschreiten muss."

Erstes Überschreiten von Möglichkeiten: Drei Warpgondeln?

Diesen ursprünglichen Geist transportiert der Name tatsächlich gut, wie Fuller weiter ausführte:

"There are so many reasons why we settled on Discovery. But the chief one amongst them was that I couldn't think of a more Star Trek-themed name for a ship than Discovery."

Meine wiederum bescheidene Übersetzung dazu:

"Es gibt so viele Gründe, warum wir uns auf Discovery geeinigt haben. Das Hauptargument war allerdings, dass ich an keinen Namen denken konnte, der mehr zu Star Trek passt als 'Discovery'."

Und das nicht nur als Ausblick auf mögliche Star-Trek-Grundthemen, zu denen die 'Entdeckung' neuer Welten, unbekannter Lebensformen und neuer Zivilisationen seit seiner Entstehung vor fünfzig Jahren fraglos gehört.
Das Spaceshuttle Enterprise hatte nämlich neben der Columbia, Challenger, Atlantis und Endeavour noch ein weiteres Schwesterschiff: Die Discovery. Die bereits bei Enterprise eingeläutete Rückbesinnung auf diese Traditionslinie (vgl. die NX-02 Columbia) wird auf diese Weise einfühlsam fortgesetzt.



Was erwartet uns in der neuen Serie?
Die beste Nachricht aus San Diego ist wahrscheinlich, dass die Serie definitiv in der Original-Zeitlinie spielen wird und sich nicht der von J.J. Abrams erdachten Kelvin-Verwerfung anschließt.
Ansonsten bleiben Informationen über die Serie noch immer spärlich gesät (was nicht zuletzt daran liegt, dass bislang noch nicht einmal Schauspieler für Discovery verpflichtet wurden).
Immerhin hat Fuller den Gerüchten, dass die Serie nach dem sechsten Kinofilm "Das unentdeckte Land" und TNG spielen würde, bereits eine deutliche Absage erteilt und auch die vergleichsweise niedrige Registrierungsnummer der USS Discovery NCC-1031 lässtwohl eher auf eine Zeit um oder vor TOS schließen.
Deutlich ist hingegen absehbar, wie die neue Serie aufgebaut sein wird. Die erste Staffel wird in dreizehn aufeinander aufbauenden Episoden, einer sogenannten Serial, ausgestrahlt werden. Eine ähnliche Folgenkonzeption gab es zuvor mit dem Xindi-Handlungsbogen lediglich in der dritten Staffel "Enterprise", der jedoch auf gemischte Reaktionen unter den Fans stieß.
Ferner gab Fuller bekannt, dass Gastauftritte bekannter Star-Trek-Gesichter innerhalb der Serie prinzipiell möglich seien. Auch beim unmittelbar anstehenden Casting zielen die Produzenten in bester Star-Trek-Tradition auf eine große Diversität der einzelnen Charaktere ab. Wie sich die Crew aber genau zusammensetzt, wird man wohl erst in den Meldungen kommender Tage erfahren können...


Wie kann ich mir die neue Serie in Deutschland ansehen?
Ab dem Januar 2017 werden die dreizehn Episoden der ersten Staffel im Wochentakt ausgestrahlt. Während sich die Zuschauer in den USA und Kanada dem neugegründeten Bezahl-Streaming-Dienst von CBS unterwerfen müssen, haben die Fans außerhalb Nordamerikas Glück im Unglück:
Sie können sich die einzelnen Folgen beim Internet-Stream-Konkurrenten Netflix ansehen, denn höchstwahrscheinlich verfügt CBS am Ende doch noch nicht über die nötigen Ressourcen und rechtlichen Voraussetzungen für einen weltweit operierenden Streaming-Dienst, weswegen die Rechte zusammen mit der Möglichkeit, auch alle anderen Star-Trek-Serien dort sehen zu können an den Pionier des Netzfernsehens veräußert wurden, der damit weiter Fuß auf dem europäischen Markt fassen will.
Der Haken ist natürlich, dass preiswerteste Netflix-Grund-Account 7,99€ im Monat kostet und Zugang zum Internet erfordert. Gegenüber einer von Werbeunterbrechungen finanzierten Ausstrahlung im Free-TV hat der Erwerb aber auch deutliche Vorteile für die hiesigen Fans. So werden die einzelnen Folgen spätestens vierundzwanzig Stunden nach der Premiere in den USA werbefrei verfügbar sein und wahrscheinlich in beiden Sprachen angeboten werden. Hinzu kommt, dass sich jeder Nutzer bei Netflix nicht nur jederzeit Discovery und alle anderen Star-Trek-Serien ansehen kann, sondern auch Zugang zu anderen spannenden Serien wie "Orange is the New Black" (mit Kate Mulgrew), "Daredevil" oder die teilweise in Berlin angelegte Sci-Fi-Serie "Sense8" der Wachowski-Geschwister erhält.
Ein weiterer Punkt, der gegen eine Free-TV-Veröffentlichung spricht, sind die Zugeständnisse die das Format an erzählerische Belange bietet. Dazu Fuller in einem Interview mit Collider:

"I think our runtime is flexible because it’s streaming."

Meine wiederum bescheidene Übersetzung:

"Ich denke unsere Episodenlänge ist aufgrund des Streamings flexibel."

Dahingehend wäre das hiesige Privatfernsehen mit seinen festen Werbeblöcken und Ausstrahlungszeiten weit weniger anpassungsfähig und bevor der ein oder andere Sender die Kürzungsschere zückt um eine vom üblichen Format abweichende Folge zurechtzustutzen, bleibt die Entscheidung für Fans wohl die bessere Wahl.



Wie sieht das neue Schiff aus?
Um es kurz zu sagen:
Die USS Discovery ist hässlich wie die Nacht.
Es erinnert an ein uneheliches Kind aus der USS Vengeance ("Into Darkness") und dem Enterprise-Modell Ralph McQuarries aus der  nie Wirklichkeit gewordenen Phase-II-Star-Trek-Serie der Siebziger Jahre.


Aber auch damit ist wahrscheinlich eine gewisse Programmatik verbunden. Es ist ein weiterer Hinweis auf die deutlichen Wurzeln in der Originalserie und der Absicht, einen Serienableger zu produzieren, der viel mit dem damals so ambitionierten Phase-II-Projekt gemein hat.
Opfer sind dabei allerdings die eleganten, geschwungenen Grundformen, die von der TOS-Constitution-Klasse, über die den Kinofilm-Refit, von der Galaxy-Klasse zur Voyager bis hin zur Abrams-Enterprise reichten. Vermutlich liegt darin aber eine absichtliche Abkehr von althergebrachten Sehgewohnheiten, mit denen die kommende Serie brechen dürfte.


Ist schon irgendetwas zum Pilotfilm bekannt?

Zwar ist der Inhalt bislang der ersten Episode der prominent besetzten Schreiber- und Produzentenriege um Fuller, Kadin, Alex Kurtzman, Trevor Roth, Nicholas Meyer, Rod Roddenberry und Kirsten Beyer vorbehalten, aber immerhin sickerten sich auch hier einige Informationen zur Produktion an die Öffentlichkeit.
So wird der Film – wie der Rest der Serie auch – erstmals in der Star-Trek-Geschichte nicht in Los Angeles, sondern im kanadischen Toronto abgedreht werden.
Die künstlerische Leitung wird der verdiente TV-Regisseur David Semel innehaben, dessen auffälligste Arbeit bislang der Pilotfilm zu "Heroes" gewesen ist. Darüber hinaus konnte man seine Arbeit in verschiedenen Episoden von "Homeland", "Dr. House", "Roswell" oder "Buffy" bewundern. Semel wurde von CBS für ein ganzes Pilotfilm-Paket verpflichtet und wird bis zum Drehbeginn für Discovery den Regie-Stuhl noch bei drei weiteren ersten Folgen verschiedener Serien führen.


Persönliche Schlussworte.
Auch wenn die beiden bislang veröffentlichten Teaser noch längst kein Offenbarungseid waren, bleibt im gleichen Atemzug festzuhalten, dass sie zum Setting, zur Handlung und der generellen Atmösphäre kaum nennenswerte Auskünfte liefern konnten. Auch wenn mir ganz persönlich das Design der Discovery wenig bis gar nicht zusagt, kann ich darüber hinwegsehen, wenn es der kommenden Serie gelingt, inhaltliche Ausrufezeichen zu setzen.
Darüber hinaus freut es mich als jemand, der ohnehin Netflix nutzt, dass es dem innovativen Internet-Fernseh-Anbieter gelungen ist, diesen großen Fisch ans Land zu ziehen.
Noch immer überwiegt die Vorfreude auf die Serie, die trotz eines ansehnlichen Abramstrek-Kinofilms für mich der Höhepunkt des Star-Trek-Jubiläumsjahr bleibt - nicht zuletzt, weil Star Trek bislang sein Potential vor allem in Serienform ausschöpfen konnte. In der Verlegung auf Internet-Streaming sehe ich eher ein Zeichen dafür, dass die Franchise auch marketingtechnisch endlich wieder mit der Zeit geht - das erste Mal seit TNG.



Freitag, 22. Juli 2016

Turons Senf zu Star Trek: Beyond [Spoilers!]

Spoilerwarnung. Vorsicht, dieser Text enthält massive Spoiler!


Einleitung. Fünfzig Jahre wird Star Trek in wenigen Tagen alt und der langerwartete Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist nun im Kino erschienen: Mit "Star Trek Beyond" schickt sich der insgesamt dreizehnte Kinofilm an, alte und neue Fans zu gewinnen. Im Rahmen einer Vorpremiere konnten sich Mitglieder der Tafelrunde bereits vorab einen ersten Eindruck des Films verschaffen.


Story. Amtsmüde erreicht Kirk als Kommandant der USS Enterprise die State-of-the-Arts-Raumstation Yorktown, um neue Energie für die ermüdende Fünf-Jahres-Mission zu tanken, die ihn und seine Crew etliche Kraftreserven gekostet hat. Sowohl er als auch sein erster Offizier Spock beginnen jedoch allmählich, an der Rechtmäßigkeit ihres Platzes an Bord zu zweifeln.
Ein vermeintlich letztes Mal brechen sie gemeinsam auf, um eine gestrandete Crew zu retten und geraten dabei in einen sorgfältig orchestrierten Hinterhalt: Plötzlich wird das Schiff von unaufhaltsamen Kleinstschiffen attackiert, denen es nicht nur gelingt, den Großteil der Crew zu entführen, sondern auch die stolze Enterprise zu zerstören.
Voneinander getrennt versuchen die Besatzungsmitglieder auf der Oberfläche eines nahen Planeten, die Umstände ihrer prekären Situation zu ergründen und müssen dabei herausfinden, dass weit mehr als nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht: Die gesamte Existenz der Föderation ist bedroht wenn es Kirk und seiner Crew nicht gelingt, die Pläne ihres Widersachers zu durchkreuzen.

Lobenswerte Aspekte.


Freiräume. Waren die beiden vorangegangen Star-Trek-Reboot-Filme noch zentriert auf das neu zusammengewürfelte Trio Kirk-Spock-Uhura, bleibt der große Verdienst dieses Films, nicht nur der eigentlichen Original-Konstellation um Kirk, Spock und Pille angemessen Tribut zu zollen, sondern auch den sonst eher vernachlässigten Nebencharakteren weitreichende Freiräume zu lassen, die selbst denen in "Das unentdeckte Land" mühelos das Wasser reichen können.
Besonders ab dem Moment, in dem sich Zweier-Teams formieren, um gemeinsam auf Altamid herumzustreunen, glänzen plötzlich selbst jene Figuren, die zuvor kaum über den Status schmückenden Beiwerks hinauskamen.
Der mittlerweile leider verstorbene Anton Yelchin etwa, dessen Interpretation Chekovs ein emotionaler Höhepunkt dieses Films war. Oder Montgomery Scott, dem es gelang, sich vom humoristisch-überladenen Keenser-Schatten zu lösen und wirkliche Akzente zu setzen.
Der wahre Gewinner allerdings war Leonard McCoy, der im Zusammenspiel mit Spock erstmals jene unverkennbaren Schlagabtäusche lieferte, die die Seele der Original-Serie maßgeblich ausmachen (Urban wäre allerdings auch ohne diese Ausweitung seiner Rolle wohl kaum zu halten gewesen).
Im Prinzip sind die Nebendarsteller der große Star des Films, auch wenn Chris Pine und Zachary Quinto wie gewohnt außergewöhnlich gute (Pine) oder gute (Quinto) Darstellungen boten.
Die einzigen Verlierer waren hingegen Sulu und Uhura. Während die späteren Szenen des Steuermann der Enterprise wohl eher wegen seiner eingangs angedeuteten Homosexualität in den Hintergrund gedrängt wurden, blieb die Teilzeit-Geliebte Spocks größtenteils auf ein Schmuckstück reduziert, das ihr von ihrem Lebensabschnittsgefährten verliehen wurde.


Musik. Hier ein paar TOS-Anleihen, dort klingt es ein wenig nach den ersten sechs Kinofilmen und dann doch wieder die inzwischen wohlbekannten Hornbläsereinsätze des Abrams-Universums – die einfühlsame musikalische Untermalung aus der Feder Michael Giacchinos war fraglos ein Höhepunkt des Films. Die Symbiose aus den verschiedenen Star-Trek-Bereichen gelingt vor allem musikalisch und selbst wenn man viele Stücke zuvor bereits gehört hat, kann man sagen, dass dieser Soundtrack der wohl reifste aller Reboot-Vertonungen ist.
Im Vergleich dazu wirkte der dritte Auftritt der Beastie Boys oder die Abspann-Untermalung von Rihanna jedenfalls arg bemüht und eher künstlich in Szene gesetzt.

Abramstrek ohne Abrams. Das Beste zu Beginn: Es gibt keine Lensflares!
Selten hat die Abwesenheit eines Stamm-Regisseurs einem Film so gut getan wie diesem, denn mit dem Fehlen des Star-Wars-Regisseurs geht auch der Verzicht auf dessen stilprägende Fehlleistungen einher.
Es gibt keine Wunder-Gimmicks wie rote Materie mehr; kein Augment-Superblut hindert die Crewmitglieder am Sterben und sie beamen sich auch nicht einfach mit Super-Transwarp-Transportern auf den Planet Kralls.
Klingt komisch, aber als längjähriger Star-Trek-Fan liegt für mein Empfinden darin ein großer Pluspunkt des Films.
Doch damit nicht genug!
Sofia Boutella, der weibliche Hauptgaststar des Films muss sich nicht erst bis auf die Unterwäsche entblößen, um einen veritablen Charakter innerhalb des Gesamtensembles darzustellen. Zwar verfehlt der Film noch immer den Bechdel-Test, aber immerhin bietet die abgeklärte und toughe Frau ein Rollenmodell für Frauen, wie es bei Star Trek es mit Deanna Troi, Jadzia Dax oder Kathryn Janeway längst schon zur Tradition und Unterscheidungsmerkmal geworden ist.
Mit der neuen Führungsriege rückte der Reboot somit erstmals in die Nähe dessen, was Star Trek eigentlich ausmacht.
Hinzu kommen einige neue Ideen, wie die Ansicht der Yorktown-Station, der Funktionsweise der Krall-Schwarms oder der vielen neuen Alien-Masken. Das Bemühen, dem Zuschauer neue Welten, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen vorzustellen, ist Star Trek Beyond deutlich anzumerken.


Anspielungen für die Fans. Vielen uneingeweihten Zuschauern werden die Details sicherlich entgehen, die alte Star-Trek-Hasen vor Entzückung mit der Zunge schnalzen lassen. Die Erwähnung einer grüne Hand etwa. Oder die Benennung der Station Yorktown, die an die NCC-1701-A denken lässt (und von einer Paris geführt wird). Oder Demora Sulu, das Kind, dessen Foto der Steuermann der Enterprise in Ehren hält. Der Absturz der Enterprise auf dem Planeten, die an die Notlandung der Enterprise-D auf Veridian III erinnert. Die USS Franklin, die erstaunliche Ähnlichkeit mit der nie offiziell bestätigten Loknar-Klasse aufweist. Die Erwähnung der Stargazer auf der Yorktown-Station und die Lösung des Rätsels, was mit den MACOs nach der Gründung der Föderation geschah.
Dem Otto-Normal-Zuschauer werden solcherlei Informationen wohl kaum im Gedächtnis hängenbleiben, doch für die vielen Fans sind sie zum fünfzigsten Jahrestag ein gelungenes Ausrufezeichen ihrer Lieblingsfranchise.


Würdiger Abschied. Als gegen Ende des Films Kirk anlässlich seines (oder Star Treks) Geburtstag sein Glas auf "abwesende Freunde" erhebt, fasst er mit nur einem Toast treffend zusammen, was den Film letztendlich besonders macht. Der Abschied von Legenden wie Nimoy und dem vielversprechenden Nachwuchs-Chekov Yelchin machen diesen Film für Fans zu einer emotionalen Achterbahnfahrt und zu einem eindringlichen Erlebnis.
Vielleicht mag sich dieser Aspekt und dieses Gefühl bei nachfolgenden Zuschauergenerationen nicht mehr einstellen, aber besonders jenen, die in den letzten Tagen, Monaten und Jahren Abschied von so vielen verdienten Darstellern nehmen mussten, wird dieser Film nicht zuletzt deswegen in (etwas wehmütiger) Erinnerung bleiben.

Kritikwürdige Aspekte.


Der Bösewicht. Eines der größten Mankos Star Trek Beyonds ist sein durchweg blasser Bösewicht. Zugegeben, Star-Trek-Filme haben selten mit so wirklich überzeugenden Antagonisten aufwarten können und es wirkte aufgrund der vorangegangenen zwölf Versuche umspannenden Schurken-Fluches fast schon folgerichtig, dass J.J. Abrams für den Vorgängerversion "Into Darkness" mit Khan den einzigen Widersacher reanimieren musste, der aus dem traurigen Haufen von Shinzons, Kruges, Ru'afos oder Doughertys deutlich herausragte.
Krall, bzw. Balthazar Edison blieb die knapp hundertdreiundzwanzig Filmminuten über jedenfalls meilenweit hinter den Erwartungen der Zuschauer zurück.
In diesem Zusammenhang war die Besetzung mit Idris Elba wohl Segen und Fluch zugleich: Der fraglos großartige Schauspieler vermochte es trotz hoher Vorschusslorbeeren nicht, unter den meterdicken Make-Up-Schichten sein schauspielerisches Potential angemessen abzurufen. Selbst  gegen Ende des Films, als es ihm gestattet war, die vermeintlich störenden Latexprothesen abzulegen, war es ihm nicht vergönnt, den längst festgefahrenen Karren aus dem sprichwörtlichen Dreck zu ziehen und die Kinogänger maßgeblich davon zu überzeugen, dass das Scheitern dieser Rolle 'nur' jener Begrenzung der Mimik geschuldet sei.
Der vernichtetende finale Eindruck lag allerdings nicht nur in der eher mäßigen Darbietung begründet, sondern auch in der kaum nachvollziehbaren Figurenmotivation, den unklaren Absichten des Charakters und den fragwürdigen Ressourcen, mit denen dieser Kleinkriminelle plötzlich aufwarten konnte.
Am Bösewicht Krall war an dessen viel zu absehbarem Ende schlichtweg kaum etwas angsteinflößendes, bedrohliches oder gar überlegenes zu erkennen, so dass man seine Anwesenheit im Film am Ende eher als Ballast denn Bereicherung empfand. Verglichen mit  anderen Antagonisten der  Star-Trek-Filmgeschichte wirkten schließlich selbst schillernde Außenseiter wie V'ger, die Walsonde oder gar Gott glaubwürdiger und fürchtenswerter als dieser farblose Aushilfskontrahent.


Ein Actionfeuerwerk. Warum ausgerechnet Justin Lin zum Regisseur des dreizehnten Kinofilms gekürt wurde, war wohl eher ein mäßig schwierig zu lösendes Rätsel für die meisten eingefleischten Star-Trek-Anhänger, die im Vorfeld im Star-Trek-Reboot ohnehin nur einen Ausverkauf der Franchise vermuteten. Wer aber (wie ich zum Beispiel) innig gehofft hatte, dass der verdiente Regisseur diese Gelegenheit am Schopfe packen würde um der wartenden Welt zu beweisen, dass er mehr leisten könnte als sinnfreie Action-Steifen auf Speed, der muss vom diesem Film wohl zumindest in weiten Teilen auf den Boden der Realität zurückgeholt werden.
Justin Lin hat seine zuvor hinlänglich erprobte Handschrift deutliche auf Beyond übertragen können und auch wenn es erfreulich ist, dass Lens Flares in diesem Film keinen Einsatz erfuhren, bleibt die rasche Abfolge von streckenweise mäßig sinnvollen Action-Sequenzen ein weiterer großer Kritikpunkt dieses Films. Dem Zuschauer blieb kaum die Möglichkeit, zwischen den unzählbar vielen Explosionen, Stunts und Kampfszenen überhaupt ausreichend Luft zu holen.
Dieser Zelluloid gewordene Gegensatz zur eher mäßigen Handlung wird durch solcherlei extremistische Überbetonung der Action eher weiter verschärft und es bleibt im direkten Vergleich festzuhalten, dass gegen diesen Streifen sowohl Star Trek 11 und Into Darkness wie ein gemütlich vor sich hinplätschernder Rosamunde-Pilcher-Streifen wirken.
Verstärkt wird dieser Eindruck zusätzlich durch den ebenso extensiven wie sinnfreien Einsatz von 3D-Effekten, den man sich genauso gut auch hätte sparen können.


Unstimmigkeiten. Natürlich versteht es sich von selbst, dass es kaum einen Star-Trek-Film ohne Widersprüche gibt.
Zum Beispiel Chekov, der im "Zorn des Khan" den genetisch aufgepimpten Supermenschen wiedererkennt, obwohl er zu dessen Auftritt in der Originalserie noch gar nicht zur Besatzung der Enterprise gehörte. Oder Klingonen, die sich kurzzeitig beim Schießen tarnen können, nur um diesen cleveren Trick im Verlauf der nächsten hundert Jahre wieder zu vergessen. Oder gar Kirk, der als erwachsener Mann in der Originalserie kein Auto fahren kann (vgl. "Epigonen"), aber im elften Kinofilm schon als Kind die Corvette seines Vaters über die sandigen Schotterpisten von Iowa pflügen lässt.
So gesehen muten die vielen Fehler im Film nur folgerichtig an.
Etwa der absichtliche Absturz der Franklin, den die Crew in Ermangelung eines Starthilfekabels zur Flucht vom Planeten nutzen. Oder die Tatsache, dass dieses Schiff das erste gewesen sein soll, das mit Warp vier fliegen konnte, obwohl selbst die NX-01 schon mühelos mit Warp fünf durch die Weiten der Galaxis kurvte. Oder gar die extrem bemühte Idee, dass man die einzelnen Schwarmschiffe Kralls durch eine Radioübertragung der Beastie Boys aus geringer Distanz gezielt zur Explosion bringen könnte.
Zugegeben, das alles klingt schrecklich schlecht zusammengeschustert, aber wenn man als neutraler Zuschauer ehrlich ist, haben all diese kleineren Schwachpunkte nicht nur irgendeinen nahen Verwandten in anderen Star.Trek-Filmen, sondern reichen darüber hinaus lange nicht an so dämliche Ideen wie das medizinisch wertvolle Unsterblichkeitsblut aus Augment-Venen, die rote Materie zur Planeten-Exterminierung oder das Beamen quer durch die Galaxis heran.



Die Figurenmotivation, hinlänglich bekannte Topoi und die grundlegende Botschaft.
Auch wenn sich Chris Pine und Zachary Quinto echt einen Wolf spielen und sich mächtig ins Zeug hängen, bleibt festzuhalten, dass es um ihre Motivation im Film ähnlich bestellt ist wie um die Kralls. Es ist ganz einfach nach zwei Filmen, in denen hinlänglich etabliert wurde, wie sich beide für die Enterprise entschieden haben, durch dick und dünn gegangen sind und für ihre Ansichten bereits zahlreiche Leben geopfert haben vielleicht ein paar Spuren zu dick aufgetragen, dass beiden nun plötzlich Zweifel um die Rechtmäßigkeit ihrer Anwesenheit kommen. Es wirkt mitunter so konträr, dass man streckenweise das Gefühl erlangt, dass dieser Kirk kaum mehr etwas mit dem gemein hat, den man über zwei Filme kennengelernt hat.
Dass sich hinter Krall dann auch noch ausgerechnet ein Mensch verbirgt, ist wieder einmal ein Beleg für die Einstellung vieler Schreiber, dass der Kosmos trotz seiner vielen fremden Spezies', seiner unendlichen Weiten und vielen Klasse-M-Planeten nicht in der Lage ist, Widersacher zu produzieren, die nicht der menschlichen Rasse entspringen. Wieder einmal sind die Bewohner der Erde nicht nur der Nabel der Welt, sondern des ganzen Weltalls.
Doch damit nicht genug, denn Lins Ankündigung im Vorfeld, dass Krall der Idee der Föderation ein gänzlich widersächliches Konzept entgegenhalten könnte, war nicht minder euphemistisch. Im Endeffekt war sein 'Gegenentwurf' zur dieser Menschheitsutopie in etwa so sinnvoll wie das Wahlprogramm der APPD eine echte Alternative zur Demokratie der Bundesrepublik ist.
Wer darin jedenfalls ernsthaft einen oder eine kritische Auseinandersetzung mit den Privatsphäre-Spionen der NSA, dem weltweiten Terrorismus oder der Daseinsberechtigung demokratischer Grundwerte sieht, den beglückwünsche ich hiermit amtlich für seine ausgesprochen lebhafte Fantasie und bemerkenswert wohlwollende Interpretationsfähigkeit.
Hinzu kommen massive Anleihen aus anderen Star-Trek-Folgen, die mehr oder weniger verschleiert daherkommen.
Der Plot um einen verjüngenden Planeten in einem lebensfeindlichen Nebel?
Klingt arg nach "Der Aufstand".
Die Station Yorktown?
Erinnert doch stark an die Dyson-Sphäre aus "Besuch von der alten Enterprise".
Und diese fiesen kleinen Schiffe, die dem Sternenflottenschiff das Leben schwer machen?
Die gab es auch schon in der Voyager-Folge "Der Schwarm".


Die Handlung. Hand auf's Herz:
Dieser Film wird den Fans nicht aufgrund seiner clever inszenierten Story in Erinnerung bleiben. Sie war eher ein mäßig schmückender Rahmen für die geballte Action, die den Film einem scheinbar nicht mehr an 'intellektuellen Inhalten interessierten Publikum' verkaufen soll.
Aber auch wenn dieser Punkt die allgemeine Kritik auf sich zieht, bleibt anzumerken, dass es wohl das Beste war, was der Autor und Darsteller Simon Pegg aus dem Script herausretten konnte. Nur zur Erinnerung: Nachdem Paramount ein vorheriges Drehbuch als „zu trekkig“ abgelehnt hatte, stand der Brite vor dem Dilemma, ein Drehbuch zu fabrizieren, das sowohl dem Regisseur, den
geldgebenden Paramount-Verantwortlichen und Fans gerecht werden sollte.
Als ob dieser Balance-Akt nicht schon schwierig genug wäre, musste er darüber hinaus auch den Tod Leonard Nimoys angemessen einarbeiten, den Inhalt mit dem überbordenden Star-Trek-Kanon in Einklang bringen, mehr oder weniger clevere Anspielungen für die eingefleischten Fans einbauen, ins Milieu passende Gags ersinnen und ausreichende Screentime für die siebenköpfige Stamm-Crew und die zwei Hauptgaststars generieren.
Auch wenn Pegg ein verdienter Autor ist, war diese Aufgabe eine wahre Mammut-Mission, bei der von Beginn an absehbar war, dass der ein oder andere Aspekt dabei zu kurz kommen würde. Misst man seine Fähigkeiten an seinen vorherigen Arbeiten, erreicht Beyond zwar beileibe nicht die anarchistisch-revolutionäre Qualität von Streifen wie "Hot Fuzz" oder "Shaun of the Dead", aber bildet eine stabile Leistung wie "The World's End" oder "Paul". 



Fazit. Auch zum fünfzigsten Jubiliäum erfindet sich trotz neuen Personals weder Star Trek,  noch der Abrams-Reboot neu. Stattdessen bietet Paramount wieder einmal einen Film, der den Spagat zwischen dem vermeintlichen Interesse unbedarfter Kinogänger und den Erwartungen alteingesessenen Fans versucht.
Tatsächlich werden dabei (mehr als üblich) viele Nuancen und Feinheit nur Fans zugänglich sein, denen der Film darüber hinaus Gelegenheit bietet, einen angemessenen Abschied von den verstorbenen Darstellern Leonard Nimoy und Anton Yelchin zu nehmen,
Dennoch bleibt Star Trek Beyond auch ohne direkte Mitwirkung J.J. Abrams ein Teil seines Erbes, in dem man vergeblich nach dem Anspruch, der philosophischen Grundhaltung oder gesellschaftlichen Auseinandersetzung vergangener Tage sucht.
Durch Rückbesinnung auf die Charaktere und ihre Interaktionen ist es dem Film zum fünfzigsten Jubiläum aber immerhin gelungen, erstmals ein echtes Bindeglied zwischen dem stilprägenden Original und dem rasanten Reboot auszubilden.


Einordnung in die Film-Reihe. Will man Star Trek Beyond mit den restlichen Star-Trek-Filmen vergleichen, verlangt die Ehrlichkeit zu bescheinigen, dass er bei Weitem nicht mit den Glanzlichtern der Reihe wie "Der Zorn des Khan", "Der erste Kontakt" oder "Das unentdeckte Land" mithalten kann.
Andererseits liegt er trotz vorhandener Makel noch immer qualitativ Längen vor "Star Trek: Der Film" oder "Am Rande des Universums".
Ich persönlich muss sogar hinzufügen, dass ich ihn – gerade weil er positiv aus der Tradition typischer Abrams-Filme herausbricht – für den stärksten der Reboot-Filme halte, weil er als erster eine wirkliche Brücke zwischen dem Original und der Neuauflage zu schlagen vermag.
Doch die Mängel in puncto Handlung, Antagonist oder Action-Verteilung hieven Beyond eher auf eine Stufe mit „Auf der Suche nach Mr. Spock“ und vor „Nemesis“; wobei die offensichtlichen Ähnlichkeiten den Streifen am ehesten in eine unmittelbare Nähe zu „Der Aufstand“ rücken.
Letztendlich kann man dem Film im Gesamteindruck eine Position im unteren bis zentralen Mittelfeld zuweisen: In meiner (ganz persönlichen) Liste ist dem Film eine Platzierung um Rang sieben sicher.

Bewertung.


Denkwürdige Zitate.

"Auf abwesende Freunde."
James T. Kirk

Montag, 23. Mai 2016

Turons Senf zur FedCon 2016

Einleitung.
Nach unserem dreiteiligen FedCon-Logbuch und dem Erlebnisbericht Roks folgt nun (nach fast einer Woche Auszeit, um die gesammelten Eindrücke objektiver bewerten zu können), die auf diesem Blog traditionsreiche Auseinandersetzung mit dem, was auf Europas größter Science-Fiction-Convention gut oder weniger gut gelaufen ist.


Lobenswerte Aspekte.
Um es vorwegzunehmen: Die positiven Seiten überwiegen eindeutig die negativen. Diese FedCon hat definitiv Standards gesetzt.


Die FedCon – eine Star Trek-Veranstaltung!
Endlich war es mal wieder soweit: Nach Jahren der Aufweichung stand die FedCon 2016 endlich wieder ganz im Zeichen Star Treks. Nachdem nämlich die ursprünglich sogar einmal nach Star Trek benannte 'Federation Convention' sich über die Zeit mit immer mehr Gast-Darstellern aus Stargate, Battlestar Galactica oder anderen Science-Fiction-Serien aus ihrer ursprünglichen Identität hinausdiversifizierte, war die Franchise immer mehr zu einer Randerscheinung verkommen.
Im fünfzigsten Jubiläumsjahr Star Treks war dies allerdings völlig anders. Mit Vic Mignogna, Hallie Todd, Tucker Smallwood, Chase Masterson, Manu Intiraymi, Robin Curtis, Connor Trinneer, Dominic Keating, Ethan Phillips, Robert Beltran, Terry Farrell, Marina Sirtis, Karl Urban, Walter Koenig, George Takei oder William Shatner entstammten immerhin sechzehn der zwanzig Stargäste dem ein oder anderen Auswuchs der Roddenberry-Vision.
Für Trekkies war diese Ausrichtung nicht nur eines der schönsten Geschenke zum fünfzigsten Jubiläum, sondern gleichzeitig auch so etwas wie eine Art Zeitreise in eine längst verloren geglaubte Ära, in der Star Trek – auf und neben der FedCon - noch eine weitestgehend ungeteilte Aufmerksamkeit zugute gekommen ist.
Auch wenn heute jedem Fan nur allzu schmerzlich bewusst (gemacht) wird, dass diese Goldenen Zeiten endgültig vorbei sind, war es doch ein angenehmes Gefühl, für die drei, vier Tage wieder in diese Illusion eintauchen zu können. 


Chase Masterson als MC.
Mann kann über die Leeta-Darstellerin ja denken, was man will, aber sie lieferte einen überzeugenden Einstand als Zeremonienmeisterin ab und führte auf äußerst angenehme Art und Weise durch das mehrtägige Programm.
Natürlich könnte man es ihr ankreiden, dass sie bei der Eröffnungszeremonie erfolglos versuchte, Takei und Shatner näher zu bringen und damit für den Eklat des Eröffnungsabends sorgte. Doch diese Eskalation lag wohl eher in der jahrelang vor sich hinköchelnden Intimfeindschaft der beiden TOS-Darsteller begründet, als in dem an sich recht plüschig-sympathischen Vermittlungsversuch.
Natürlich können böse Zungen auch an ihrer Figur herumkritteln, aber um ehrlich zu sein hatten ihre Auftritte in den verschiedenen Outfits (mindestens zweimal am Tag gab es einen Kleiderwechsel) einen gewissen schillernden Flair, zumal ihre Figur beleibe nicht so unansehnlich war wie die so manches männlichen Kritikers.
Und natürlich warf sich Masterson jedem Fan um den Hals und grüßte noch jeden Con-Besucher, den sie auf dem Gang traf, persönlich. Doch genau durch ihre (schon immer) sehr offene Art war sie der perfekte MC, denn sie schlug eine echte Brücke zwischen dem gemeinen Fan im Saal und den  unerreichbaren Stars auf der Bühne.


Organisation.
Es ist noch gar nicht so lange her, da bot die Star Trek Destination Germany den deutschen Fans die Möglichkeit, eine reine Star-Trek-Veranstaltung in Frankfurt am Main zu besuchen (wir berichteten). Sie nahm der FedCon 2016 nicht nur Stargäste wie Marina Sirtis, Karl Urban oder William Shatner vorweg, sondern setzte auch neue neue nationale Standards in puncto Professionalität, Organisation und Freundlichkeit.
Das war im Jahr 2014 und wie Mitglieder der Tafelrunde beobachten konnten, war auch der FedCon-Chef Dirk Bartholomä damals auf  jener Veranstaltung zugegen.
Anscheinend hat er sich damals doch die ein oder andere Anregung mitgenommen, denn lediglich zwei Jahre später war auf der FedCon deutlich der Wind der Veränderung zu spüren.
Egal, ob es darum ging, ein auf dem Smartphone angezeigtes Online-Ticket statt der ausgedruckten Variante zu verwenden, eine verlorene Eintrittskarte zu ersetzen, Fotos direkt im Anschluss an den Shoot zu erhalten, Fans aus der falschen Schlange umzuleiten oder das Geld für eine ersatzlos ausgefallene Fotosession erstattet zu bekommen – der Service in Bonn war effizient, unbürokratisch und vor allem freundlich. Diese erfrischende Freundlichkeit setzte sich bis in die Fotosessions fort, die sonst häufig als Hauptquelle für etwaige Beschwerden galten. Stattdessen herrschte aller Orten eine überaus umgängliche Atmosphäre, an der die vielen freiwilligen Helfer und ihr leises Werk einen maßgeblichen Anteil hatten.
Trotz dieses deutlichen Aufwärtstrends waren aber auch noch genügend Baustellen erkennbar, an denen in Zukunft noch gearbeitet werden sollte:
Wo war beispielsweise der Touch-Monitor geblieben, an dem Programmabweichungen zeitnah angekündigt wurden?
Der spontan überklebte Zettel am Merchandise-Eingang war jedenfalls ein unzureichender Ersatz und die Wirkung der FedConApp, die ohnehin ausschließlich iPhone-Besitzern zugänglich war, verpuffte zwischen den Stahlbetonwänden des Maritim-Hotels, in dem ausreichender Empfang kaum gegeben war.
Auch die Organisation von Autogramm-Sessions war bei der Destination ungleich besser organisiert als bei der FedCon, die mit ihren nach Nummern sortieren Schlangen, ungleich verteilten Star-Nachfragen und Blockierung des Hauptsaals durchaus Optimierungsbedarf offenbarte.
Das Essensmarken-System war unsinnig, rückständig und nur wenig attraktiv für die Besucher, die nicht nur eine Extra-Schlange für den Erwerb der sinnfreien Marken ertragen mussten, sondern auch noch die ein oder andere Marke mit nach Hause nahmen (was für eine Geschäftsidee!). Ich für meinen Teil hätte jedenfalls abends eher ein Bier erworben, wenn ich dafür nicht einen solchen Umtausch-Marathon hätte aufnehmen müssen.
Schließlich waren auch die Einlassmodalitäten in den Hauptsaal und die Diskriminierung von Tageskartenbesitzern ein großes Manko, das nicht umsonst von Stargast Marina Sirtis im Zuge ihres Panels angeprangert wurde.
Trotz der Kritik überwog am Ende jedoch der der positive Eindruck einer Veranstaltung, die wie selten zuvor von der Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Professionalität ihrer Organisatoren bestimmt wurde.



Die Fans.
Der Hauptteil des außergewöhnlichen Flairs der FedCon geht im Endeffekt jedoch weder von der Bühne aus, noch von den (recht einseitigen) Einkaufsmöglichkeiten oder gar dem gastgebenden Hotel.
Hauptträger der einzigartigen Atmosphäre waren - wie immer - die Fans.
Fans, die sich Tag für Tag in ein neues Kostüm warfen und sich geduldig den vielen Fotowünschen der restlichen Besucher stellten, ohne dafür gleich zwanzig Euro oder mehr zu verlangen, obgleich vielen Kostümen eindeutig anzusehen war, dass viel Zeit, Geld und Arbeit in das Outfit investiert wurde.
Fans, die ihre selbstgefertigten Modelle, Props oder Artworks in einem der Ausstellungsräume präsentierten und völlig zurecht selbst (oder gerade) dann begeisterten Zulauf erhielten, wenn das Licht für einige Minuten ausgeschaltet wurde.
Und natürlich Fans, mit denen man in der Schlange, am Sitz im Hauptsaal oder gar in der Straßenbahn problemlos ins Gespräch kam, weil alle Anwesenden die gleiche Leidenschaft einte und man ohne Weiteres sofort ein Gesprächsthema fand.
Diese Fans, die nicht nur Eintritt bezahlten, sondern mit ihrer Präsenz auch ihr Scherfchen zum Gesamtbild beitrugen, waren das Salz in der FedCon-Suppe, ohne die das Ganze recht fad schmecken würde. Selbst nach 24 Jahren zeigen sie noch immer, welch ungebrochene Energie in der Anhängerschaft steckt und dass insbesondere Star Trek als verbindendes Element allen Unkenrufen zum Trotz keinesfalls als Attraktivität eingebüßt hat.


Kritikwürdige Aspekte.
Eigentlich gibt es nur zwei Punkte, die wirklicher Kritik bedürfen.



Die FedCon – eine Star-Trek-Veranstaltung!
Nur einige Tage nach der FedCon konnte man auf der Facebook-Präsenz der FedCon ein ehrliches, aber am Ende dann doch recht erstaunliches Fazit der Veranstalter entdecken.
Mit einem bestimmten Teil wollen wir uns nun einmal näher befassen:

"Was ganz und gar nicht stimmte waren die verkauften Autogramme und Fotoshoots. Hier haben wir bei allen teuren Stars draufgezahlt, weswegen wir in Zukunft diese wohl nicht mehr holen können. Ich meine ein Karl Urban auf den wir Jahre gewartet haben, von dem wurden knapp 450 Autogramme und keine 400 Fotos gemacht ist jetzt zwar nicht der absolute Ruin, aber gelohnt hat es sich nicht. Da war früher bei Nimoy, Shatner, RDA, Stewart, Bakula schon anders, da haben wir bei einer ausverkauften Convention insgesamt über 1500 Teile verkauft. Also das hätte ich absolut nicht gedacht. Auch die extra gekaufte Lizenz zum Thema 50 Jahre Star Trek hat kaum etwas gebracht, es hat im Schnitt jeder 6 ein Teil gekauft, bei einer 'fast' reinen Star Trek Veranstaltung ging das gründlich nach hinten los. Das heißt wir werden in Zukunft noch stärker selektieren müssen und anstatt teurer Star Trek Stars lieber bekannte Stars aus anderen Filmen und Serien holen, das hat es in 25 Jahren noch nie gegeben."

Mal abgesehen vom katastrophalen Satzbau, der höchst eigenwilligen Interpretation von Interpunktion und der gewöhnungsbedürftigen Rechtschreibung kann man aus diesem öffentlichen Statement herauslesen, dass die FedCon ihre Abkehr von Star Trek ab der nächsten FedCon wiederaufnehmen wird und sich die Franchise "Star Trek" als zu unattraktiv für nennenswerten Profit erwiesen hat.
Aber kann man das wirklich so sagen?
Immerhin waren Hallie Todd, Chase Masterson, Manu Intiraymi, Robin Curtis, Connor Trinneer, Dominic Keating, Ethan Phillips, Robert Beltran, Terry Farrell, Marina Sirtis, Walter Koenig, George Takei oder William Shatner allesamt bereits schon mindestens einmal bei vorherigen FedCons aufgetreten und der angesprochene Karl Urban war erst vor zwei Jahren auf der bereits angesprochenen Destination zusammen mit Trinneer, Keating, Sirtis oder Shatner zugegen. Das dürfte auch Dirk Bartholomä wissen; schließlich war er (wie bereits erörtert) ebenfalls dort.
Ein großer Teil der üblichen Verdächtigen war einfach schon einmal da und auch wenn alle anwesenden Stars fraglos sympathisch und interessant waren, blieb der Rückgang bei Autogrammen und Fotoshoots schon allein durch ihren wiederholten Auftritt erklärbar. Oder sollen sich sein Stamm-Publikum bei diesen Preisen ernsthaft mit dem vierten Marina-Sirtis-Foto die Wohnzimmerwand tapezieren?
Das grundsätzliche Problem liegt eher darin, dass die FedCon-Macher es selbst zum 50. Jubiläum schlichtweg versäumt haben, wirklich noch nie dagewesene Stars zu verpflichten. Und derer gibt es eigentlich genug, denn weder Patrick Stewart, Dwight Schulz, Whoopi Goldberg, Barbara March, Gwynyth Walsh, James Darren, Penny Johnson, Casey Biggs, James Cromwell, Kirstie Alley, Brian Bonsall, Wallace Shawn, Scarlett Pomers, Brad Dourif, Matt Winston, Randy Oglesby, John Rhys-Davies, Malcolm McDowell, Stephen Collins, Catherine Hicks, Laurence Luckinbill, Alan Ruck, F. Murray Abraham, Tom Hardy, Ron Perlman, Chris Pine, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Simon Pegg, John Cho, Anton Yelchin, Bruce Greenwood, Alice Eve, Eric Bana, Peter Weller, Winona Ryder, Deep Roy, Faran Haroon Tahir, Rachel Nichols, Clifton Collins, Ben Cross, Jason Matthew Smith, Noel Clarke oder gar Benedict Cumberbatch  (um nur eine Auswahl zu nennen, die problemlos drei Conventions allein füllen könnten) waren je auf einer FedCon zugegen.
Sich im Angesicht dieser Menge an noch nie verpflichteten Star-Trek-Schauspielern hinzustellen und sich zu beschweren, dass die Stars, die mittlerweile mindestens bereits ein, zwei oder drei Mal auf einer Vorgängerveranstaltung zu sehen waren, nicht mehr genug Kundschaft ziehen, wirkt da schon fast dreist und erstaunlich blind den eigenen Versäumnissen gegenüber.
Um das an dieser Stelle einmal zu verdeutlichen: Mann stelle sich einen Mobilfunkanbieter vor, der über Jahre seine überteuerten Netzpakete zusammen mit dem iPhone und danach mit dem iPhone 3G verscherbelt hat. Nachdem das jahrelang gut ging, wurden ihm aber die kostenintensiven Apple-Verträge zu aufwändig und er beschloss, die selben Modelle zwar weiter anzubieten, aber auf neuere Geräte wie die iPhones vier, fünf oder sechs zu verzichten. Als nun die Käufe einbrechen, weil niemand ein so antiquiertes Modell haben will, sucht sich der Anbieter den nächstbesten Schuldigen:
Apple, denn seine Produkte verkaufen sich ja nicht. Dass der Mobilfunkanbieter aber versäumt hat, mit der Zeit zu gehen und auf Veränderungen flexibel zu reagieren, verheimlicht er bei der Benennung seines Sündenbocks geflissentlich.
Auch das Geld die Lizenz für die "50 Jahre Star Trek" wäre schon allein ob der Attraktivität des angebotenen Merchandise anderweitig besser angelegt gewesen. Besonders im Hinblick auf den schon bald im Kino startenden dreizehnten Kinofilm "Star Trek Beyond" (jetzt mit neuem Trailer!) scheint beispielsweise ein Stargast wie Sofia Boutella oder wenigstens ein Beyond-Marketing-Stand wie bei der Fantasy-Basel als eine lohnende Alternative.


So aber waren die altbekannten Stars zugegen, mit denen das Publikum bereits hinlänglich vertraut war. Dieser Umstand zeigte sich spätestens in den Panels, wo kaum mehr jemand frische, originelle Fragen stellen konnte, weil man bereits so ziemlich alles über die angereisten Stargäste von vorherigen Besuchen wusste (ein Umstand, den beispielsweise Marina Sirtis offen als Missstand benannte). So war das Feld offen für die dämlichsten Zuschauerfragen, diverse Grüße von der Mama oder den typischen Wunschkonzertbestellungen.
Besonders in einem bestimmten Aspekt war diese hinlängliche Vertrautheit besonders spürbar: An dem, was ich an dieser Stelle einmal zugespitzt als Bartholomäisierung der Umgangsformen bezeichnen möchte. FedCon-Macher Dirk Bartholomä wurden sogar vom Spiegel ein 'harscher Ton' zugeschrieben, den er ganz besonders im Umgang mit Fans immer wieder unter Beweis stellen würde. Nun plötzlich schien dieser Wesenszug auch auf die Stars übergegriffen zu haben. Gut, dass William Shatner, Robert Beltran oder Marina Sirtis die ein oder andere (zugegebenerweise recht unangebrachte) Bemerkung mit entsprechender Häme honorierten, ist man ja schon beinahe gewohnt. Aber wenn selbst ein so freundlicher Charakter wie Terry Farrell einen Fragesteller herunterputzt, dann kann man erahnen, dass es Zeit für frischen Wind sein könnte.


Standort Bonn.
Auch wenn sich der ein oder andere FedCon-Veteran riesig über eine Rückkehr ins gute, alte Bonn gefreut hat, bleibt festzustellen, dass diese "Back to the Roots" Idee nur mäßig funktionierte. Die engen (und dadurch ständig verstopften) Gänge, das Fehlen von alternativen Einkehrmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung und die weitere Anreise sprechen eben nicht unbedingt für diesen Standort.
In etlichen Momenten haben ich jedenfalls vermisst, wie in Düsseldorf in der Kneipe mit echtem Geld bezahlen zu können, die Rewe-Mitarbeiter mit ihren Star-Trek-Shirts zu besuchen oder die Schlangen für Fotosessions und Autogramme abseits des Fan-Rummels zu finden.


Fazit.
Natürlich sind diese FedCon-Eindrücke meinerseits sehr subjektiv und müssen nicht zwangsweise die Meinung aller Tafelrunden-Mitglieder, geschweige denn aller FedCon-Besucher widerspiegeln. Außerdem bleibt festzuhalten, dass der Gesamteindruck trotz der ein oder anderen Kritik überwiegend positiv ausgefallen ist. Es war eine großartige FedCon und gerade im Hinblick auf die angekündigten Pläne, die Star-Trek-Komponente in Zukunft wieder geringer ausfallen zu lassen, wird es wohl meine letzte FedCon gewesen sein. Traurig bin ich darüber nicht, denn ich konnte noch ein (wahrscheinlich) letztes Mal eine FedCon besuchen, die das Label 'Star-Trek-Convention' wahrhaftig verdient hat.